
PV-Montage
Auf dem Ziegeldach wird Photovoltaik fast immer als Aufdachanlage montiert: Dachhaken greifen am Sparren oder an der Konterlattung, tragen darauf längs verlegte Montageschienen, und auf diesen werden die Module mit Klemmen befestigt. Der Ziegel selbst trägt keine Last – er bleibt Witterungsschutz. Entscheidend für ein dauerhaft dichtes Dach sind der zum Ziegelmodell passende Haken, eine saubere Verankerung im Tragwerk und der richtige Befestigungsabstand nach Schnee- und Windlast.
Der Aufbau: Dachhaken, Schiene, Modulklemme
Eine Aufdachanlage am Ziegeldach besteht aus drei aufeinander abgestimmten Ebenen. Ganz unten sitzt der Dachhaken, der die Kräfte aus Modul, Schnee und Wind in den Dachstuhl ableitet. Er wird nicht am Ziegel, sondern am tragenden Holz verschraubt – je nach Ausführung direkt am Sparren oder an einer aufgeschraubten Lastverteilungsplatte auf der Konterlattung. Darüber liegt die Montageschiene aus Aluminium, die die Haken einer Reihe verbindet und die Modulreihen aufnimmt. Ganz oben halten Mittel- und Endklemmen die Module auf der Schiene. Dieser Schichtaufbau ist bei allen gängigen Systemherstellern wie K2, Novotegra oder Aerocompact ähnlich; die Details und zulässigen Spannweiten unterscheiden sich.
Die wichtigsten Komponenten im Überblick:
- Dachhaken: aus Edelstahl, höhenverstellbar oder mit fester Kröpfung. Höhenverstellbare Haken erleichtern den Toleranzausgleich bei unebenen Ziegeln.
- Befestigungsschrauben: Edelstahl-Schrauben in ausreichender Länge, die in den vollen Sparrenquerschnitt greifen – nicht nur in die Dachlatte.
- Montageschiene: Aluminiumprofil, je nach Last ein- oder zweilagig (Kreuzverbund) verlegt.
- Modulklemmen: auf Modulrahmenhöhe und Klemmbereich des Herstellers abgestimmt, sonst erlischt die Modulgarantie.
- Potenzialausgleich: die Schienen werden geerdet bzw. in den Blitzschutz eingebunden.
Wie dieser Ablauf im Gesamtprojekt eingebettet ist – von der Begehung über die Unterkonstruktion bis zur Abnahme – beschreiben wir ausführlich im Beitrag zur Aufdachmontage von Photovoltaik.
Den richtigen Dachhaken zum Ziegel wählen
Den einen Universal-Dachhaken gibt es nicht. Welches Modell passt, hängt vom Ziegeltyp ab, und davon gibt es in Österreich eine große Bandbreite. Bei profilierten Ziegeln wie der Frankfurter Pfanne oder Tondachziegeln muss der Haken so geformt sein, dass er im Wellental geführt wird und der darüberliegende Ziegel wieder plan aufliegt. Bei flachen Eindeckungen wie Biberschwanz oder Flachdachziegeln kommen flachere Haken oder spezielle Stockschrauben-Lösungen zum Einsatz. Häufig muss die Auflagekante des unterliegenden Ziegels passgenau ausgenommen werden, damit der Haken nicht aufdrückt und keine Hebelwirkung auf den Ziegel entsteht – sonst drohen Risse und Undichtigkeiten.
Worauf es bei der Hakenwahl ankommt:
- Ziegelmodell: Profil, Höhe und Deckmaß bestimmen Hakenform und -höhe.
- Sparrenabstand und -querschnitt: entscheidet, ob direkt am Sparren oder über eine Lastplatte befestigt wird.
- Keine Hebelkräfte auf den Ziegel: der Haken darf den Ziegel nie anheben oder aufliegen, sonst bricht er bei Schneelast.
- Korrosionsschutz: ausschließlich Edelstahl, auch bei den Schrauben.
- Systemfreigabe: nur Haken verwenden, die der Hersteller für das jeweilige Schienensystem freigegeben hat.
Auf anderen Dachdeckungen sieht die Befestigung völlig anders aus – bei Trapezblech oder Stehfalz wird ohne Dachhaken gearbeitet. Den Vergleich dazu finden Sie im Beitrag zur Montage auf Trapezblech und Stehfalz.
Dichtheit, Statik und Sicherheit am Ziegeldach
Ein Ziegeldach lebt von der Wasserführung über überlappende Ziegel. Jeder Eingriff muss diese Funktion erhalten. Deshalb gehört zu jeder sauberen Montage, dass angepasste Ziegel kontrolliert eingebaut, Bruchziegel ersetzt und die Reihen rund um die Haken wieder korrekt geschlossen werden. Ein dauerhaft dichtes Dach entsteht nicht durch Dichtmasse, sondern durch handwerklich richtige Hakeneinbindung. Genauso wichtig ist die Statik: Eine PV-Anlage bringt rund 15 bis 25 kg pro Quadratmeter zusätzlich aufs Dach, dazu kommen Schnee- und Windlasten. Bei älteren Dachstühlen, großer Sparrenteilung oder schon vorhandenen Ausbauten sollte die Resttragfähigkeit des Daches vorab geprüft werden.
Auch die Arbeitssicherheit ist beim Ziegeldach nicht zu unterschätzen. Schräge, oft steile Flächen und glatte oder bemooste Ziegel machen die Montage zu Höhenarbeit, für die nach ASchG und Bauarbeiterschutzverordnung (BauV) ab Absturzhöhen über drei Meter geeignete Schutzmaßnahmen vorgeschrieben sind. In der Praxis heißt das Gerüst, Dachfangwand oder persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz an normgerechten Anschlagpunkten nach ÖNORM EN 795. Weil wir Montage und Absturzsicherung aus einer Hand anbieten, lässt sich der dauerhafte Anschlagpunkt für spätere Wartung und Reinigung gleich mitplanen – das spart einen zweiten Dacheinstieg.
Kurz zusammengefasst, worauf es bei einem dichten und sicheren Ziegeldach ankommt:
- Haken am Tragwerk verankern, niemals nur in der Dachlatte.
- Angepasste und beschädigte Ziegel sauber wieder eindecken.
- Statik bzw. Resttragfähigkeit bei älteren Dächern prüfen lassen.
- Absturzsicherung nach BauV und ÖNORM EN 795 von Beginn an einplanen.
- Dauerhafte Anschlagpunkte für künftige Wartung gleich mit setzen.
Häufige Fragen
Muss man für Dachhaken Ziegel anschneiden?
Bei vielen Ziegelmodellen ja: Damit der Haken flach aufliegt und der darüberliegende Ziegel wieder plan schließt, wird die Auflagekante des Ziegels passgenau ausgenommen oder ein höhenverstellbarer Haken verwendet. Sauber ausgeführt bleibt das Dach dauerhaft dicht.
Wie viele Dachhaken braucht eine PV-Anlage?
Die Anzahl ergibt sich aus der statischen Auslegung nach Schnee- und Windlast am Standort. Als grobe Orientierung werden pro Modul rund zwei bis vier Befestigungspunkte gesetzt; die genaue Zahl und der Abstand kommen aus der Montageplanung des Systemherstellers.
Hält das Ziegeldach die zusätzliche Last aus?
In der Regel ja, eine PV-Anlage wiegt rund 15 bis 25 kg pro Quadratmeter. Bei älteren Dachstühlen oder ungewöhnlicher Sparrenteilung sollte die Resttragfähigkeit vorab geprüft werden, bevor montiert wird.
