Dachbegehung und Aufmaß vor der PV-Montage in Graz und der Steiermark
Der Ortstermin am Dach entscheidet darüber, ob ein Angebot hält, was es verspricht. Was wir bei der Dachbegehung in Graz und der Steiermark prüfen – und welche Unterlagen Ihnen Zeit sparen.

Planung & Beratung
Die Dachbegehung ist der Ortstermin vor der Photovoltaik-Montage, bei dem Dachtyp, Eindeckung, Unterkonstruktion, Tragreserve, Dachzugang, Absturzsicherung, Kabelwege und Baustellenlogistik aufgenommen werden. Sie dauert je nach Objektgröße von etwa einer Stunde bei einem kleineren Betriebsgebäude bis zu mehreren Stunden bei einer großen Gewerbehalle, und liefert die Grundlage für ein verbindliches Angebot statt einer Schätzung. In Graz und der Steiermark übernehmen wir die Begehung im Zuge der Angebotslegung – häufig lässt sich die Machbarkeit anhand von Fotos und Plänen schon vorab einschätzen.
Was bei der Dachbegehung geprüft wird
Ein PV-Angebot ohne Ortstermin ist eine Hochrechnung aus Luftbildern. Das funktioniert für die erste Orientierung, nicht aber für die Kalkulation von Unterkonstruktion, Befestigungsmittel und Montagezeit. Bei der Begehung geht es deshalb weniger um die Module als um alles, was darunter liegt. In der Steiermark treffen wir dabei auf eine sehr gemischte Bausubstanz: Ziegeleindeckungen auf Wohnhäusern im Grazer Becken und im Umland, Trapezblechhallen in den Gewerbegebieten entlang der A2 und A9, Welleternit auf älteren landwirtschaftlichen Objekten in der Süd- und Oststeiermark sowie bituminöse Flachdächer und Folienabdichtungen auf Betriebs- und Verwaltungsgebäuden.
- Dachtyp und Eindeckung: Ziegelmodell, Blechprofil, Falzart oder Abdichtungsaufbau bestimmen das Befestigungssystem. Bei Welleternit ist zusätzlich das Alter der Platten und damit die Frage der Begehbarkeit relevant.
- Unterkonstruktion: Sparrenlage und Sparrenabstand, Lattung, Pfettenabstand bei Hallendächern. Davon hängt ab, ob die geplante Modulreihung überhaupt sauber verankert werden kann.
- Tragreserve: Module, Schienen und – am Flachdach – Ballast kommen zur bestehenden Last dazu. Welche Rolle die Schneelast dabei spielt, insbesondere in den höher gelegenen Lagen der Obersteiermark, haben wir im Beitrag zur Dachstatik und Resttragfähigkeit aufbereitet.
- Zustand der Dachhaut: Risse, lose Ziegel, durchgerostete Befestiger, aufgehende Nähte an der Abdichtung, Feuchtespuren an der Dachuntersicht. Steht eine Sanierung an, gehört sie vor die Montage – nicht danach.
- Dachaufbauten und Verschattung: Kamine, Lüfter, Lichtkuppeln, Attikaaufbauten, Blitzschutzableitungen sowie Bäume und Nachbargebäude. Hier wird die tatsächlich belegbare Fläche festgelegt.
- Elektrotechnische Randbedingungen: Standort von Zähler und Technikraum, möglicher DC-Trassenverlauf, Durchbrüche, bestehender äußerer Blitzschutz und einzuhaltende Trennungsabstände.
Am Ende dieses Teils steht ein Aufmaß: Dachmaße, nutzbare Teilflächen, Neigung und Ausrichtung, Anzahl und Lage der Befestigungspunkte. Erst damit lässt sich eine Modulbelegung planen, die am Dach auch wirklich aufgeht.
Zugang, Absturzsicherung und Logistik – das unterschätzte Drittel
Der zweite Teil der Begehung hat mit der Anlage selbst wenig zu tun und verursacht trotzdem einen erheblichen Teil der Kosten. In Österreich sind Arbeiten bei Absturzgefahr nach ASchG und Bauarbeiterschutzverordnung abzusichern – bei Dacharbeiten in der Regel ab mehr als 3 m Absturzhöhe (§ 87 BauV) –, wobei kollektive Maßnahmen wie Seitenschutz oder Gerüst Vorrang vor persönlicher Schutzausrüstung haben. Welche Pflichten das im Detail bedeutet, erklärt der Beitrag zur Absturzsicherungspflicht in Österreich. Bei der Begehung halten wir fest, welcher Weg am konkreten Objekt der sicherste und wirtschaftlichste ist.
- Dachzugang: Innenliegender Dachausstieg, Steigleiter, Anstellleiter oder Hubarbeitsbühne – und ob der Zugang auch für die spätere Wartung taugt.
- Bestehende Sicherungstechnik: Vorhandene Anschlagpunkte oder Seilsysteme werden aufgenommen, samt Frage nach dem letzten Prüfbefund. Anschlageinrichtungen nach ÖNORM EN 795 sind mindestens jährlich von einer sachkundigen Person zu prüfen und zu dokumentieren.
- Temporär oder dauerhaft: Für die Bauphase genügt oft eine temporäre Lösung; sobald das Dach regelmäßig für Reinigung, Monitoring oder Wartung betreten wird, ist eine dauerhafte Sicherung die sinnvollere Investition. Beides aus einer Hand zu planen, erspart eine Schnittstelle.
- Zufahrt und Stellflächen: Tragfähigkeit der Zufahrt, Durchfahrtsbreiten, mögliche Standflächen für Kran oder Teleskoplader, Abstände zu Freileitungen. In dicht bebauten Grazer Lagen und in engen Ortskernen ist das häufig der kritischste Punkt der ganzen Baustelle.
- Zwischenlager: Trockene, versperrbare Fläche für Module, Schienen und Kleinteile – idealerweise so nah am Aufzugspunkt wie möglich.
- Betrieb und Nachbarschaft: Bei Gewerbe-, Pflege- oder Beherbergungsobjekten die Frage, wann gearbeitet werden darf, ohne den laufenden Betrieb zu stören.
Diese Punkte fließen direkt in unsere Montage- und Sicherungsleistungen ein. Wer sie erst am Montagetag klärt, zahlt sie über Stillstandzeiten – und zwar deutlich teurer als über eine saubere Vorplanung.
Welche Unterlagen helfen – und wie aus der Begehung ein Angebot wird
Je mehr Information vorab vorliegt, desto kürzer der Ortstermin und desto präziser das Angebot. Vollständig muss die Sammlung nicht sein; schon zwei, drei gute Unterlagen verkürzen die Abstimmung spürbar.
- Fotos: Je eine Aufnahme pro Dachseite, dazu Detailfotos von Eindeckung, First, Ortgang, Dachaufbauten und Dachuntersicht beziehungsweise Dachboden.
- Pläne: Einreich- oder Bestandsplan mit Grundriss, Dachaufsicht und Schnitt. Bei Hallen zusätzlich die Angaben zur Tragkonstruktion.
- Statik: Vorhandener Statiknachweis oder, bei Bestandsobjekten ohne Unterlagen, zumindest Baujahr und Konstruktionsart.
- Elektro: Standort des Zählerkastens, vorhandener Netzanschluss, geplanter Wechselrichterstandort, Angaben zu Wärmepumpe, Ladepunkt oder Speicher.
- Bestehende Anlage: Bei Erweiterungen Strangplan, Wechselrichtertyp und Anlagenschema.
- Prüfbefunde: Letzter Prüfbefund vorhandener Anschlageinrichtungen, falls bereits welche montiert sind.
Der Ablauf danach ist in der Praxis immer ähnlich: Vorabprüfung anhand von Fotos, Plänen und Luftbild, dann der Ortstermin mit Aufmaß und Dokumentation, anschließend die Belegungsplanung und schließlich ein Angebot, das Unterkonstruktion, Befestigung, Absturzsicherung, Logistik und Dokumentation getrennt ausweist. Genau diese Trennung macht Angebote vergleichbar – worauf dabei sonst noch zu achten ist, zeigt unsere Checkliste zur Prüfung von PV-Angeboten. Wenn Sie den Ortstermin anstoßen möchten, genügt für den Start eine kurze Anfrage mit ein paar Dachfotos; alles Weitere klären wir am Objekt.
Häufige Fragen
Ist die Dachbegehung kostenpflichtig?
Ob der Ortstermin bei einer konkreten Montageanfrage gesondert verrechnet wird, vereinbaren wir vorab bei der Terminvereinbarung. Etwas anderes gilt, wenn ausschließlich eine Begutachtung, ein Prüfbefund oder eine schriftliche Beurteilung ohne nachfolgende Beauftragung gewünscht ist – das ist eine eigenständige Leistung und wird vorab vereinbart. Klären Sie das am besten schon bei der Terminvereinbarung.
Kann die Begehung durch Fotos oder Drohnenaufnahmen ersetzt werden?
Für die erste Einschätzung ja, für die verbindliche Angebotslegung in der Regel nein. Fotos, Luftbilder und Pläne reichen aus, um Machbarkeit und grobe Belegung zu beurteilen. Sparrenabstände, der Zustand der Eindeckung, vorhandene Anschlagpunkte, Kabelwege und die Zufahrtssituation lassen sich jedoch nur vor Ort zuverlässig feststellen.
Muss für die Dachbegehung bereits eine Absturzsicherung vorhanden sein?
Nicht zwingend – aber ein sicherer Zugang muss gegeben sein. Fehlen Anschlageinrichtungen, sichert sich das Montageunternehmen für den kurzen Begehungszeitraum selbst ab, etwa über eine Hubarbeitsbühne oder eine temporäre Sicherung. Für die spätere Montage und für Wartungsgänge ist dann eine dauerhafte Lösung zu planen; bestehende Anschlageinrichtungen nach ÖNORM EN 795 sind mindestens jährlich von einer sachkundigen Person zu prüfen.
