
PV-Montage
Schnee ist in der Steiermark der Lastfall, der über die Konstruktion einer PV-Anlage entscheidet – nicht der Sommerertrag. Die charakteristische Schneelast wird nach ÖNORM B 1991-1-3 standortbezogen aus Seehöhe und Lage ermittelt und liegt in höher gelegenen Teilen der Obersteiermark um ein Vielfaches über jener im Grazer Becken. Daraus ergeben sich zwei Dinge, die vor der Montage feststehen müssen: die zulässigen Schienenspannweiten und Klemmabstände der Unterkonstruktion – und ob und wo ein Schneefang gesetzt wird. Beides klären wir bei unseren Montageleistungen vor dem ersten Dachhaken.
Warum die Lastzone in der Steiermark so stark streut
Kaum ein Bundesland hat eine so große Spreizung bei den Schneelasten wie die Steiermark. Zwischen dem Grazer Feld auf rund 350 Metern und Lagen im Ennstal, im Murtal oder rund um Murau liegen mehrere hundert Höhenmeter – und die Schneelast steigt mit der Seehöhe überproportional an. Das hat für die Montage handfeste Folgen:
- Standort statt Bezirk: Maßgeblich ist der Wert für die konkrete Adresse. Zwei Gemeinden im selben Bezirk können deutlich unterschiedliche Ansätze haben, wenn eine im Tal und eine am Hang liegt.
- Bestandsgebäude mit altem Ansatz: Die Schneelastnorm wurde mehrfach überarbeitet, zuletzt mit der aktuellen Fassung der ÖNORM B 1991-1-3. Ein Stall- oder Hallendach aus den 1980er-Jahren wurde unter Umständen mit einem geringeren Wert gerechnet, als heute anzusetzen wäre. Das ist einer der häufigsten Gründe, warum die Resttragfähigkeit vorab geprüft gehört.
- Verwehung und Anhäufung: An Attiken, Aufbauten, Dachversprüngen und in Kehlen sammelt sich mehr Schnee als in der Fläche. Auf Flachdächern ist deshalb der Randbereich oft der kritische Punkt, nicht die Dachmitte.
- Nassschnee statt Pulverschnee: In der Süd- und Oststeiermark fällt Schnee häufig feucht und schwer. Eine moderate Schneehöhe kann dort mehr wiegen als eine deutlich höhere Pulverschneedecke in alpiner Lage.
Für uns heißt das: Wir fragen bei jeder Anfrage Seehöhe, Dachneigung, Dachtyp und Vorhandensein eines Schneefangs ab, bevor wir eine Montagevariante vorschlagen.
Was Schneelast für die Unterkonstruktion bedeutet
Module selbst sind für definierte Flächenlasten geprüft. Die Schwachstelle bei schlecht ausgeführten Anlagen ist praktisch nie das Glas, sondern die Art, wie es getragen wird. Entscheidend sind:
- Klemmbereiche laut Modulhersteller: Jedes Modul hat vorgegebene Zonen, in denen geklemmt werden darf. Wer außerhalb klemmt, verliert die Zulassung für die angegebene Lastreserve – und im Schadensfall die Gewährleistung.
- Schienenspannweite: Je höher die Schneelast, desto enger müssen die Auflagerpunkte stehen. In hochgelegenen Lagen bedeutet das schlicht mehr Dachhaken bzw. mehr Stützpunkte pro Modulreihe als im Grazer Umland.
- Hoch- oder Querformat: Die Verlegerichtung ändert Spannweiten und zulässige Lasten. Das ist keine Optikfrage, sondern eine statische.
- Dachhaken mit Höhenausgleich: Auf Ziegeldächern darf der Haken nie auf dem darunterliegenden Ziegel aufliegen. Unter Schneelast wird sonst genau dieser Ziegel zum Bruchpunkt – Details dazu in unserem Beitrag zur Ziegeldachmontage.
- Ballast am Flachdach: Bei ballastierten Systemen zählt die Schneelast zusätzlich zum Eigengewicht und Ballast. Gerade bei Hallendächern mit knapper Reserve entscheidet das über ballastiert oder durchdrungen.
Alle Systemhersteller liefern Auslegungssoftware, in der Standort, Seehöhe, Schnee- und Windlast eingegeben werden. Das Ergebnis ist ein Montageplan mit konkreten Abständen. Ein seriöses Angebot enthält diesen Nachweis – fehlt er, lohnt ein Blick in unsere Checkliste zur Angebotsprüfung.
Schneefang: wann er Pflicht wird und wie er zur PV passt
Ein PV-Modul ist glatter als jede Ziegeleindeckung. Sobald die Sonne die Modulrückseite erwärmt, löst sich die Schneedecke – und rutscht als geschlossene Platte ab. Das ist der Grund, warum viele Dächer erst mit der PV-Anlage einen Schneefang brauchen, obwohl vorher jahrzehntelang nichts passiert ist.
- Wo er nötig ist: über Eingängen, Gehwegen, Stellplätzen, Hofdurchfahrten, Terrassen und überall dort, wo abrutschender Schnee Personen oder Fahrzeuge treffen kann. In Ortsgebieten gibt es teils zusätzliche baurechtliche Vorgaben.
- Bestehender Schneefang, neue Ebene: Ein vorhandenes Schneefanggitter sitzt auf Ziegelhöhe. Liegen die Module darüber, greift es unter Umständen zu tief. Dann braucht es ein Zusatzsystem in der Modulebene oder ein Versetzen.
- Modulseitige Lösungen: Schneefangprofile werden direkt in die Modulschiene bzw. an die Klemmen gesetzt. Wichtig: Die Zusatzlast aus dem zurückgehaltenen Schnee wirkt punktuell auf die Unterkonstruktion und muss mitgerechnet sein.
- Abstand zur Traufe: Wird der Schneefang zu weit oben gesetzt, staut sich Schnee auf den Modulen; zu weit unten wird die Rinne belastet.
Der zweite Punkt, der oft übersehen wird: Wer im Winter zum Schneeräumen, zur Störungsbehebung oder zur Kontrolle aufs Dach muss, braucht eine funktionierende Absturzsicherung. Vereiste, modulbelegte Dächer sind der gefährlichste Arbeitsplatz überhaupt. Anschlagpunkte nach ÖNORM EN 795 gehören daher gemeinsam mit der Anlage geplant und sind jährlich durch eine sachkundige Person zu prüfen – siehe unseren Beitrag zu PV und Absturzsicherung aus einer Hand. Wenn Sie unsicher sind, welche Lastannahmen und welcher Schneefang für Ihr Dach passen: Schicken Sie uns Adresse, Dachtyp und Fotos – wir schauen es uns an, bevor montiert wird.
Häufige Fragen
Braucht eine PV-Anlage in der Steiermark einen Schneefang?
Auf geneigten Dächern über Verkehrsflächen, Eingängen, Gehwegen oder Parkplätzen ist eine Schneefangeinrichtung in aller Regel erforderlich. Module sind glatter als Ziegel, dadurch rutscht Schnee schneller ab. Ist bereits ein Schneefang vorhanden, muss er zur neuen Modulebene passen – häufig ist eine Ergänzung oder ein Versetzen nötig.
Wie stark ist die Schneelast in der Steiermark?
Das hängt vor allem von Seehöhe und Standort ab. Die charakteristische Schneelast am Boden wird nach ÖNORM B 1991-1-3 standortbezogen ermittelt. Im Grazer Becken liegt sie deutlich niedriger als im Ennstal, im Raum Murau oder in höher gelegenen Lagen der Obersteiermark. Verbindlich ist immer der Wert für die konkrete Adresse, nicht ein Bezirksmittelwert.
Halten PV-Module Schnee überhaupt aus?
Übliche Module sind für definierte Flächenlasten geprüft und dafür zugelassen. Entscheidend ist jedoch, dass Klemmpositionen, Schienenspannweiten und Befestigungsabstände laut Montageanleitung des Systemherstellers zur Schneelastzone passen. Wird eine Anlage mit zu großen Spannweiten montiert, ist nicht das Modul die Schwachstelle, sondern die Unterkonstruktion.
