
Reinigung & Wartung
Nach einem Sturm- oder Hagelereignis gilt: zuerst vom Boden aus dokumentieren, dann die Ertragsdaten kontrollieren und erst danach eine fachliche Kontrolle am Dach beauftragen. In der Steiermark betrifft das vor allem die Sommergewitter zwischen Mai und August – im Vulkanland und der Süd- und Oststeiermark ist die Hagelhäufigkeit deutlich höher als im übrigen Österreich. Selbst aufs Dach zu steigen ist keine Option: Arbeiten in Absturzgefahr sind nach ASchG und BauV nur mit geeigneter Sicherung und durch Fachbetriebe zulässig.
Warum die Steiermark ein besonderer Fall ist
Die Steiermark ist wetterseitig kein einheitliches Gebiet – und genau das entscheidet, welche Schäden an einer PV-Anlage typisch sind. Wer weiß, was am eigenen Standort droht, prüft gezielter statt pauschal.
- Süd- und Oststeiermark, Vulkanland, Raum Leibnitz: Die klassische Hagelzone. Schwere Gewitterzellen ziehen im Sommer bevorzugt über das Hügelland; hier stehen Hagelschäden an Modulen und Dacheindeckung im Vordergrund.
- Grazer Becken und Graz-Umgebung: Beckenlage mit vielen Gewittern, dazu viel bewohnte Dachfläche mit Ziegeleindeckung. Häufig sind gelockerte Ziegel rund um Dachhaken und verstopfte Rinnen durch Laub und Hagelkörner.
- Obersteiermark, Ennstal, Raum Leoben und Bruck: Föhn- und Sturmtiefs mit hohen Böen, dazu im Winter Schneelast und Schneeschub. Hier sind Windsog an Modulklemmen und verschobene Ballastlagen auf Flachdächern das größere Thema.
- Gewerbe- und Hallendächer in der ganzen Region: Große Flachdachanlagen reagieren empfindlich auf Windsog an Rand- und Eckbereichen – dort greifen die höchsten Sogkräfte an, dort löst sich zuerst etwas.
Dazu kommt ein banaler, aber häufiger Punkt: Nach einem Unwetter liegen Äste, Blätter und Dachteile auf der Anlage. Teilverschattung durch Blattwerk oder eine verbogene Modulecke führt zu Ertragsverlusten und kann längerfristig Hotspots an den Modulen begünstigen.
Der Prüfablauf in vier Schritten
Ein strukturierter Ablauf spart Zeit, schützt vor Folgeschäden und macht die Schadensmeldung deutlich einfacher.
- 1. Sichtprüfung vom Boden: Mit Fernglas oder Handy-Zoom rundum abgehen. Auffällig sind verschobene oder angehobene Module, gebrochene Glasflächen, verbogene Rahmen, gelöste Blechabdeckungen, herabhängende Kabel und Bruchstücke von Ziegeln auf dem Boden. Alles fotografieren – mit Datum und aus mehreren Winkeln.
- 2. Ertragsdaten kontrollieren: Im Wechselrichter oder Monitoringportal die einzelnen Strings vergleichen. Fällt ein String gegenüber den anderen deutlich ab oder meldet der Wechselrichter Isolationsfehler, liegt ein elektrischer Schaden nahe. Wie sich Auffälligkeiten im Monitoring lesen lassen, haben wir in diesem Beitrag zum Monitoring beschrieben.
- 3. Schaden melden: Versicherungen erwarten eine unverzügliche Meldung. Reichen Sie die Fotos, den Zeitpunkt des Ereignisses und – wenn vorhanden – die Ertragskurve des Schadenstages mit ein. Eine spätere Nachdokumentation ist deutlich mühsamer.
- 4. Fachliche Kontrolle am Dach: Erst jetzt geht jemand aufs Dach – gesichert, mit Prüfung von Klemmkräften, Unterkonstruktion, Dachdurchdringungen, Kabeltrassen und Eindeckung. Das Ergebnis gehört in ein Protokoll mit Fotos, das sowohl der Versicherung als auch der eigenen Dokumentation dient.
Wichtig bei Schritt 4: Ein nasses, mit Hagelkörnern bedecktes Dach ist rutschig, und eine gelockerte Eindeckung trägt nicht mehr zuverlässig. Wo keine dauerhafte Sicherung vorhanden ist, braucht es mobile Lösungen oder eine Hubarbeitsbühne. Genau deshalb lohnt es sich, Montage, Absturzsicherung und Service aus einer Hand zu vergeben – im Schadensfall steht dann ein Team am Dach, das die Anlage und ihre Befestigung bereits kennt.
Was repariert wird – und was ersetzt werden muss
Nicht jeder Sturmschaden bedeutet eine neue Anlage. In der Praxis lassen sich die meisten Fälle in drei Gruppen einteilen.
- Mechanik und Befestigung: Nachgezogene oder getauschte Modulklemmen, ersetzte Dachhaken, neu ausgerichtete Schienen, ergänzter oder umgelegter Ballast auf dem Flachdach. Das ist der häufigste und günstigste Fall.
- Dachhaut und Anschlüsse: Beschädigte Ziegel, gelöste Bleche, undichte Durchdringungen. Diese Arbeiten haben Vorrang – eine offene Stelle kostet bei der nächsten Regenfront mehr als der eigentliche PV-Schaden.
- Module: Glasbruch heißt Tausch. Feine Zellrisse unter intaktem Glas erkennt man mit freiem Auge nicht; sie zeigen sich über Leistungseinbußen oder in einer Elektrolumineszenz- bzw. Thermografiemessung. Zur Einordnung: Serienmodule werden nach IEC 61215 (Prüfung MQT 17) mit Hagelkörnern ab 25 mm Durchmesser bei rund 23 m/s beschossen – größere Körner, wie sie bei schweren steirischen Zellen vorkommen, liegen über dieser Prüfbelastung.
Beim Modultausch ist ein praktischer Punkt zu beachten: Ein baugleiches Ersatzmodul ist nach einigen Jahren oft nicht mehr lieferbar. Innerhalb eines Strings sollten Leistung und Kennwerte zusammenpassen, sonst richtet sich der gesamte String am schwächsten Modul aus. Das gehört fachlich geprüft, bevor bestellt wird.
Der beste Schutz bleibt die Vorsorge: eine sauber ausgeführte Montage mit korrekten Klemmpositionen und dokumentierten Anzugsmomenten, dazu eine regelmäßige Kontrolle. Was dabei kontrolliert wird, zeigt unsere Wartungs-Checkliste. Wenn Sie nach einem Unwetter eine Einschätzung brauchen, melden Sie sich bei uns – wir sind in Graz und der Steiermark unterwegs, bei Großanlagen österreichweit.
Häufige Fragen
Wie schnell muss ich meine PV-Anlage nach einem Unwetter prüfen lassen?
Vom Boden aus sollten Sie noch am selben Tag schauen, ob Module verschoben, Bleche gelöst oder Teile heruntergefallen sind. Eine fachliche Kontrolle am Dach ist innerhalb weniger Tage sinnvoll, weil Versicherungen eine zeitnahe Meldung erwarten und weil eine offene Stelle im Dach bei der nächsten Regenfront Folgeschäden verursacht.
Sieht man Hagelschäden an PV-Modulen immer mit freiem Auge?
Nein. Sichtbare Glasbrüche sind der eindeutige Fall, häufiger sind aber feine Zellrisse unter intaktem Glas. Diese zeigen sich erst über sinkende Stringleistung oder über eine Elektrolumineszenz- bzw. Thermografiemessung. Deshalb gehört zur Prüfung immer auch ein Blick auf die Ertragsdaten der betroffenen Strings.
Darf ich nach dem Sturm selbst auf das Dach steigen?
Nein. Nach einem Unwetter ist das Dach nass, oft verschmutzt und die Eindeckung kann gelockert sein. Arbeiten am Dach sind nur mit geeigneter Absturzsicherung und durch qualifizierte Fachbetriebe zulässig – das verlangen in Österreich ASchG und BauV. Für die erste Einschätzung reichen Fotos vom Boden oder aus dem Dachfenster.
