Dachdurchdringungen bei der PV-Montage in Graz und der Steiermark: dicht ausführen
Jede Schraube durch die Dachhaut ist eine potenzielle Leckstelle. Wie Durchdringungen bei der Photovoltaik-Montage geplant, ausgeführt und dokumentiert werden.

PV-Montage
Jede Durchdringung der Dachhaut ist eine potenzielle Leckstelle – deshalb gilt bei der Photovoltaik-Montage in Graz und der Steiermark eine einfache Grundregel: so wenige Durchdringungen wie nötig, jede einzelne mit dem vom Hersteller zugelassenen Dichtelement, an der richtigen Stelle im Wasserlauf und fotodokumentiert. Technisch lösbar ist das auf jedem Dachtyp: am Stehfalzdach meist ganz ohne Durchdringung, am ballastierten Flachdach nur für die Kabelführung, am Ziegel- und Trapezblechdach über Befestigungspunkte in der Tragkonstruktion. Undicht wird ein Dach selten, weil durchbohrt wurde, sondern weil am Dach improvisiert statt nach System gearbeitet wurde.
Wo bei der PV-Montage überhaupt durchdrungen wird
Wie viele Punkte durch die wasserführende Ebene gehen, hängt vor allem am Dachtyp – und das unterscheidet sich in der Steiermark deutlich zwischen dem Ziegelbestand im Grazer Becken und den Hallendächern in den Gewerbegebieten:
- Ziegel- und Schrägdach: Dachhaken werden am Sparren oder an der Schalung verschraubt. Die Schraube durchdringt die Tragkonstruktion, nicht aber die Deckung – der Ziegel wird im Auflagebereich ausgefräst, damit er spannungsfrei liegt. Kritisch ist eine vorhandene Unterspannbahn: wird sie verletzt, muss sie wieder geschlossen werden. Details im Beitrag zur PV-Montage am Ziegeldach.
- Trapezblech: Verschraubung in der Hochsicke mit Dichtscheibe – nie im Tal, wo das Wasser läuft. Am Stehfalzdach entfällt die Durchdringung ganz, weil Falzklemmen auf den Falz geklemmt werden. Siehe Trapezblech und Stehfalz.
- Flachdach: Die Unterkonstruktion wird meist ballastiert und damit durchdringungsfrei aufgestellt. Verschraubt wird nur, wenn Statik, Attikahöhe oder Windlast kein zusätzliches Gewicht zulassen – dann braucht jeder Punkt einen Abdichtungsanschluss aus demselben Werkstoff wie die Dachhaut.
- Welleternit: Stockschrauben im Wellenberg mit Dichtelement. Bei alten Platten ist vorab zu klären, ob sie asbesthältig sind und betreten werden dürfen.
- Die oft unterschätzten Punkte: die DC-Kabeldurchführung in den Dachraum und die Anschlagpunkte der Absturzsicherung. Beide sitzen einzeln in der Dachhaut und sind erfahrungsgemäß häufiger Ursache späterer Feuchteschäden als die Modulbefestigung selbst.
Was eine Durchdringung dauerhaft dicht macht
Ob ein Punkt in zwanzig Jahren noch dicht ist, entscheidet sich an wenigen handwerklichen Details – und daran, ob sie geplant oder am Dach improvisiert wurden:
- Lage statt Dichtmasse: Der Punkt gehört in den Wellen- oder Sickenberg und mit Abstand zu Nähten, Säumen und Rinnen. Eine Durchdringung an der falschen Stelle wird auch durch viel Dichtmasse nicht dicht.
- Das zugelassene Dichtelement: EPDM- oder Kalotten-Dichtscheibe des Befestigungssystems, kein nachträglich aufgespritztes Silikon. Silikon ist eine Reparatur mit Ablaufdatum, keine Abdichtung.
- Drehmoment einhalten: zu locker hält nicht, zu fest quetscht die Dichtscheibe. Beides ist eine klassische Ursache, die erst nach dem ersten Temperaturwechsel sichtbar wird.
- Gleiches zu gleichem: Am Flachdach wird Bitumen mit Bitumen und FPO/PVC mit demselben Kunststoff angeschlossen, mit ausreichender Aufkantungshöhe über der wasserführenden Ebene. Abdichtungsarbeiten an der Dachhaut gehören fachlich zum Dachdecker oder Spengler – wir grenzen diese Leistung im Projekt klar ab.
- Unterdach wieder schließen: Jede verletzte Unterspannbahn wird mit systemkonformem Klebeband oder Manschette geschlossen, bevor die Deckung zurückgelegt wird.
- Dokumentieren: Jede Durchdringung wird vor dem Verschließen fotografiert. Diese Dokumentation ist später die Grundlage für Gewährleistung und Versicherung – und sie klärt, welches Gewerk welchen Punkt gesetzt hat.
Welche Befestigungs- und Abdichtungstechnik zu Ihrem Dach passt, klären wir vor dem Angebot bei der Dachbegehung mit Aufmaß – einen Überblick über unsere Leistungen am Dach finden Sie auf der Leistungsseite.
Warum es in der Steiermark besonders genau sein muss
Die regionalen Rahmenbedingungen verschieben die Anforderungen spürbar. In der Obersteiermark und im Ennstal sorgen hohe Schneelasten für zwei Effekte: Schneeschub belastet Befestigungspunkte seitlich, und liegender Schnee erzeugt bei Tauwetter Stauwasser, das deutlich höher steht als Regenwasser. Eine Durchdringung, die bei Schlagregen dicht ist, kann unter einer Schneedecke undicht werden – deshalb zählt die Anschlusshöhe, nicht nur die Dichtscheibe. In der Süd- und Oststeiermark kommen Hagel und Böen dazu, im Grazer Becken Starkregenereignisse mit kurzzeitig sehr hohem Wasseranfall in den Dachrinnen.
Dazu kommt der Bestand: Viele Grazer Wohnhäuser und Nebengebäude in den steirischen Gemeinden haben Ziegeldächer ohne durchgehendes Unterdach. Dort ist die Deckung die einzige wasserführende Ebene, und jede unsauber ausgeführte Durchdringung wirkt sich direkt aus. Bei älteren Dächern prüfen wir daher vorab, ob die Dacheignung überhaupt gegeben ist – eine Anlage auf einer sanierungsbedürftigen Deckung ist eine Fehlinvestition, weil sie für die nächste Dachsanierung wieder demontiert werden muss.
Und schließlich die Schnittstelle: Sind Dachdecker, Spengler, Elektriker und PV-Monteur unterschiedliche Betriebe, entsteht genau an den Durchdringungen die Frage, wer für die Dichtheit einsteht. Wir arbeiten deshalb mit klar abgegrenzten Leistungen, dokumentierter Übergabe und – wo es sinnvoll ist – mit Photovoltaik und Absturzsicherung aus einer Hand, damit Modulbefestigung und Anschlagpunkte nach ÖNORM EN 795 in einem Zug und in einem Layout gesetzt werden. Für Ihr konkretes Dach in Graz, der Steiermark oder – bei Großanlagen – österreichweit schicken Sie uns am besten eine kurze Anfrage mit Fotos.
Häufige Fragen
Muss bei der PV-Montage das Dach durchbohrt werden?
Nicht immer. Auf Stehfalzdächern halten Falzklemmen ganz ohne Durchdringung, und auf Flachdächern wird die Unterkonstruktion häufig ballastiert statt verschraubt. Am Ziegel- und Schrägdach sowie am Trapezblech sind Befestigungspunkte in der Tragkonstruktion dagegen die Regel – dazu kommen in fast jedem Projekt die Kabeldurchführung und die Anschlagpunkte der Absturzsicherung. Entscheidend ist nicht die Zahl der Durchdringungen, sondern dass jede einzelne nach Systemvorgabe ausgeführt und dokumentiert ist.
Wer haftet, wenn es nach der PV-Montage am Dach undicht ist?
Grundsätzlich der Betrieb, der die Durchdringung ausgeführt hat – im Rahmen von Gewährleistung und Schadenersatz. Schwierig wird es, wenn mehrere Gewerke am Dach waren und niemand dokumentiert hat, wer welchen Punkt gesetzt hat. Deshalb halten wir in der Fotodokumentation jede Durchdringung mit Lage und Dichtelement fest und grenzen die Leistung gegenüber Dachdecker und Spengler schriftlich ab. Die konkreten Fristen und Ansprüche hängen vom Vertrag und vom Einzelfall ab und gehören rechtlich geprüft.
Wie viele Durchdringungen hat eine typische Dachanlage?
Am Schrägdach rechnet man grob mit zwei bis vier Befestigungspunkten pro Modul, je nach Schnee- und Windlast sowie Systemauslegung – bei einer Anlage auf einem Einfamilienhaus sind das schnell 60 bis 120 Punkte. Am Trapezblechdach ist es ähnlich, am ballastierten Flachdach im Idealfall nur die Kabeldurchführung. Die genaue Zahl ergibt sich aus dem Auslegungsnachweis des Montagesystems und nicht aus einem Richtwert.
